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Full text of "Die Juden auf Mallorca"

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n. 


j0ie luöfit auf ^lallorta. 


Dr. 

/ i’ 



5 * 


HARVARD 
UNIVERSITY] 
; ij^ARY 


255.5 


1 . 


glei(^er Sntfctnung oon fcer afrifanifc^cn Mfie unfc 
bcm fpanifc^cn ^ejllanbe liegt in bem Steile be« mittellanbü 
fc^en SDteere«, n>el(^er ba^ iberifc^e genannt witb, eine fleine 
3nfelgrubbe, bie aü’ ba^ ®ute unb ^errlic^c in fii^ vereint, 
ba« burc^ bie übrigen SReic^e bet iffielt serjtreut i^t, 3Rit 
wetd/er greigebigfeit ift biefer Heine Sanbflric^ non ber Statur 
au^geftattet worben! Älima ift milb vinb freunblic^: 

„ber (Sommer quält un« nic^t mit aUju großer ^i|e, be^ 
Sffiinterl aüju ftrenge Ädlte iji un« unbefannt." Serge, welche 
bie SBolfen ju erfireben [feinen, umfd)lie§en eine Stenge ber 
liebli^jieu Jpler; ®orf lagert neben ®orf in buntem ®emif(^. 
®a# finb bie „golbenen Snfeln" ber 3llten, ba« i^i Stallorea. 
Stirgenbg lebt’^ fic^ fc^öner al« auf Stallorca, rief ber „weife 
Äönig" oon ßajlilien, SUb^onä X., einfl au«, unb fbric^t 
ber bur(^ bie Statur oerwö^nte unb oerwei($li(f)te (Spanier 
noi^ !^eute unb mit Ctedjt. Stallorca wirb oon 3ebem, ber 
e« befu(^t, al« ein S^Töbie« begrüßt unb gefd)ilbert. .^ier 
breiten Stanbelböume l^re mit filberwei^en Slumen belabenen 
3weige au« ; f)ier reijen Drangen ba« Stuge burd) if)rc ®oIb^ 
frücf)te unb bie güüe i^rer Äno«ben liaui^en balfamifd)en 
Duft; f)ier erliebt ber ißdintbaum feine majeftätif(l)e Ärone 
gegen ben Haren, unbewölHen |iimmel; l)ier fenlt ber ßactu«, 
Slfrila’« £inb, feine borm unb feigenrei^en Slrme jur 6rbe; 
!^ier, enbli(^, bebedt ber SBeinfiod bie ■^ügel unb Sib^nge mit 


70 


feinen fräftigen McBcn unb rei^t bem butfienben ffionberer 
ben crfcf)nten fiabetrunf. 

S)iac^ biefer Snfcl mögen mir meine freunbli^en ?e[er ^cutc 
folgen. 2Bir motten unö einmat naef» bem ®cf)idfate, bem 
*Bot)tctgef)en nnb Sciben unferer ©taubenöbrüber ouf ber „gtüd» 
lict)en Snfet" ertunbigen. <5eit Sa^r^unberten meiltcn fie bort; 
unter 9tömern unb SSanbaten, unter ©ott)en unb grünten, 
unter 5(rabern unb 9ttmot)aben, unter aragonifctier unb cajtU 
lif(^er ^errf(t)aft mcilten fie bort; fie meilten bort im ©tiief 
unb Ungtiid, im ©tauben unb Ungtauben; fie mcitten bort 
at« Suben öffenttic^ unb im ©e^eim ; atö [Rabbiner unb ©ut«» 
befi|er, atö Sänger unb Siäjter meilten fie bort, unb tWänner 
unb grauen, Sungfrauen unb Süngtinge jtarben bort für if>ren 
©tauben auf bem flammenben Sct)citerf)aufen. 

3)ic erfie 9Inficblung ber Suben auf SRaltorca mirb in febr 
frü^e 3fit bcrfe^t. 

3uba fiel unter ben Strci(f)en beö gemattigen SÜBeltenbe» 
jminger« unb Suba’ö Söl)ne unb Sö^ter mürben in otle ©e^ 
biete beö Sfficltenrci(^cö oerbftanjt. ^abrian jerflörte bie f)eitige 
©otteöftabt — ba manberten bie Suben mit it>ren SBeifen unb 
SRobbinen nad) ber gefegneten Snfcl SRallorca. 

Sie festen ft(^ l)ier fefl unb gelangten ju 5tnfefn, ©ütern 
unb ©l)rcn. 

So menig autf>entifc^e 9?a(^rid)ten unö aud) auö ber 3fit 
i^rer früt)eften Qlnjteblung aufbema^frt finb, fo glauben mir 
benno^ betmupten ju bürfen, baf fie in ungeflörter fflu^e leb» 
ten, fo lange baö nid)t oerfefeernbe ^eibentl)um unb ber ®ulb» 
famfeit bvebigenbe 91rianiSmuö au^ l)ier mie im benachbarten 
Spanien htirfdjcnb maren. ©rjt alö 18ifd)öfe unb iprälaten 


1) Vicente Mut, Historia del Eeyno de Mallorca (Mallorca 
1650) 300 ♦ . . . esparciendo se estos por differentes regiones del 
mundo, llegaron a Mallorca muchos con los mayores Rabinos 
de ellos. 


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auf ber Snfel ju 3Wa^t unb ©citung gelangten, rouvben 
bie 3uben auö biefer SWufie aufgef(^eu<^t. ©eifili^e unb tt)elt= 
li^e ®^riftftetler berichten nämU(^ non einer grofen 3uben» 
befe^rung, welche ju 9lnfang be^ 5. 3u^r^unbert^ (418) burc^ 
Semü^ung be« S8i[(^of(ä ®eöer auf ber mit SWaüorca öerbum 
benen 3nfel 2)linorca flattgefunben ^ben foü.^) 35ap ba^ 
Schreiben, mel(^e(ä ber ®if(^of an aHe „33ifc^öfe, ipre«bf»ter, 
®iaconen unb an bie ganje Srüberfc^aft beS ©rbenrunb^" 
ertaffen ^at, entfieHt unb jum größten Xfieil mobl gar erbic^* 
tet ift, ftet)t eben fo feji, wie eö fragli<i^ bleibt, ob bie 3uben 
ber 3nfel in biefer 3<it gleichgültiger gegen ba«, ihre religio* 
fen Slngelegenheiten leitenbe *patriar<f)at mürben, unb e« nur 
ber SBcranlaffung eine« Sßifchof« beburfte, um fte ber ®t)na* 
goge nod) mehr ju entfremben. ®a^ ®injige, ma^ fich mit 
einer gemiffen Sicherheit bcm Schreiben Scocr’« entnehmen 
läft, ift, bah ber „reiche unb mastige SBorjiehet ber 3nfel, 
melcher ni^t allein unter ben 3ubcn, fonbern auch unter ben 
©hrifien biefer ©egenb in Slnfchen unb SBurbe ber SBornehmfie 
mar," ba§ fich Sh^obor, melcher al« ber „Sehrer bc« ©cfehe^, 
aU ber SSater ber SBüter galt unb bie michtigjien Slemter er* 
rei^t hatte," bah Ü<h »biefer Sefchüher ber Stabt" in 3)lallorca 
aufhiclt, um feine bort liegenben @üter ju befuchen, al« Scoer 
ben 33erfuch machte, bie jübifchen Sßemohncr ber 3nfel jum 
ehrifi«tithum ju bcfchren. Sh^obor, oon ben ipiänen beö 
SBifchofI burch Soten untcrridjtct, eilte in bie ^cimath* J)ie 
„Säule ber Shnagogc", mic er in bem Scnbfchreiben bejcich* 
net mirb, foll jum SBanfen gebracht morbcn fein; Jh^obor, 
5 ur Serjmeiflung getrieben, lieh ftch, nach bem Berichte be« 


2) Da meto, Historia general del Reyno Balearico (Mallorca 
1634) 150 ff.; 3oft, Oef^i^te ber Sfraeliteu &cxiin 1824) IV, 243 jf., 
ftc^ aiK^ baö (Senbfc^reibeu, batirt t)om 13. gebruar 423, jum 
größten X^eil überfc^t finbet; @ef^ic^te bei* Subeu (53erlin 

1853) IV, 454. 


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Sifc^of^, taufen unb 50 g nicfe ©lieber feiner ©emeinbc mit 
fid) 511 feinem neuen ©tauben. 

5Rag and; eine Subenuerfolgung unb Sefe^rung auf ber 
3 nfel ftattgefunben I)aben, mögen and) 93iele au^ Siebe jum 
Seben ben frommen ffiünfd^en be^ tauftuftigen ^^ifc^of^ gefolgt 
fein, feine^meg^ maren fie bem Subentbume fo fremb unb falt 
gemorben, baf bie 23emübungen ©eoer’^ non fo gtüdUd}em 
©rfolge mären gefrönt gemefen, mie er ee in feinem 6 enb^ 
febreiben glauben machen mill. S^gen bocb felbji bie fcf)tt)a(^en 
grauen e§ oor, mit i^ren ©claoinnen in bie ffiälber ju fließen 
unb ft(^b in ©(^lu(bten ju oerbergen, al^ oon bem Subentbume 
ju laffen; um oiele^ lieber mar ihnen ein elenber 2 ob aU 
genubrei(^be^ Seben in ^btrünnigfeit. 

5lucb bei ber an leui^tenben SOtomenten auberorbentti(^ 
armen me|lgotbif^)en ©efifbi^te fönnen mir bei bem 5Wangel 
aüer 9ta(bticbten über bie 3 uben ber 3 nfel au^ biefer 
nur oermutf)en, ba§ auch fie oon ben auf ben Solebaner ©om 
eitien becretirten IHu^nabm^gefeben unb Sebrüdungen mehr 
ober meniger betroffen mürben unb ba^er mie ibre®rüber im fba^ 
nifi^en D^eicbe bie ftegrei(^ oorrüdenben Araber freubig begrüßten. 

Unter ber ^errfc^aft ber OKauren mehrte {xä) bie 
3 uben anä) auf TOallorca. 

dergleichen mir bie menigen 93erid)te, melche un^ über ihre 
derhältniffe au^ biefer 3 ^it oorliegen, mit benen über ihre 
©lauben^genoffen im f|)anif(hen Seiche, fo gelangen mir ju 
bem Sefultate, ba§ ihre Sage ber ihrer fpanifchen drüber jiem* 
lieh ähnlich gemefen ift. ©ie genoffen freie Seligion^übung, 
befanben fid} im deph^ bürgerlicher Seihte, lebten mit 
einem SBorte glüdli^ unb jufrieben. dalb erhoben pih in 
Stallorca’^ ^auptpabt jmei ©hnagogen, eine größere in ber 
5Sonte ©ion’^^©trape unb eine fleinere^); auf beibe merben 
mir in ber golge jurüdfommen» ®ie 3 uben maren reiih, pe 


3) Mut, 1 . c. 301. 


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batten liegenbe @üter unb befc^äftigten jt^ mit bem 2t(Jer6au, 
mic au« bem iWemoriale ber 2änber=SBert^eiIung ergiebt, 
mcIc^c ber aragonif(^e (Eroberer »eranfialtete, um feine Sarone 
unb ütitter für bie i^m bei ber (Einnahme ber 3nfel geleifiete 
.^ilfe 5 u beio^nen. 3n biefem mic^tigen ÜJtemoriale^), beffen 
Original lange 3^'^ it« ?lrd)ioe iWaüorca’« aufbemafirt mürbe, 
finb gegen jmanjig ©üter unb Sejt^ungen oerjeic^net, meld)e 
bet ber Eroberung ber 3nfel ben 3nben get)örten. Oie mei» 
üen biefer ©üter unb Söefi^ungen, f)ier iitafiat« unb Qllquetias 
genannt ®), merben al« ©igent^um ber „3uben ber 3llmubaf)na", 
mic $alma, bie ^auptftabt SDtaßorca’«, bamai« genannt mürbe, 
ober f(i)lecf)tmeg „ber 3uben" (bc to« 3ufeu«, be lo« 3nbio«)®) 
angegeben, fo ba§ bie SBermut^ung ni(^t febr fern liegt, bag 
biefe fidnbereien ©cfammtgut ber fübifdien ©emeinbe ifJalma 
maren. 5tnbere geprten einjelnen 3uben; al« fold)e ©ut«» 
I;errcn ober ipäc£)tcr merben namentlid) aufgefüt>rt : „3ufre 3u= 
bio, 9IImo 3ubio, 3<ibic 3ubio" u. ?l. 6elbji 3uben au« 2or= 


4) Dameto, 1. c. 271. 

5) Rahal, eilt araMfc^e^ 2Bort = casa ober heredad 
ober ^atrimonialgut); alqueria = 

6) (itntge ^efl^unqen ber Juben moqen i&ier tljre 0tetle finben: 

Alqueria Adducuts, seys jovadas,*) es de los Juseus ; 

Rahal Abenbarjo, quatro jovadas, es de los mismos; 

Rahal Bortx Axabee, cinco jovadas, es de los Hebreos de la Al- 

mudayna ; 

Rahal Benazarbes Exarhia, cinco jovadas, es de los mismos Judios ; 
Rahal Benialfin, ocho jovadas, es de los Judios de la Almudayna ; 
Rahal Alahinar, cinco jovadas, es de los Judios; 

Rahal Abenxuaip, cinco jovadas, es de los Judios ; 

Rahal Zamaha, cinco jovadas, es de los Judios ; 

Alqueria Benucalbel, diez Jovadas, es de los Judios; 

Alqueria Constante Axarquia, cinco jovadas, es de los Judios de 

la Almudayna; 

Alqueria Annaumar, ocho jovadas, es de los Judios de la Al- 
mudayna ; 


*) jovadas = jugera, Soc^. 


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tofa, »ic bic „(Scbrübcr 3tfiruc" ober „?ljiruc unb ßombagnie" 
I)atten ’^icr i^re Sejt^ungen ^). 

Oüter unb 93e|t|ungen würben i|nen getaffen, al« ber 
aragonifc^e (Eroberer am lebten Sage be« Sa^re« 1229 3Mal= 
lorca mit feinem Königreiche oereinte. ®er jugenbli«^ mäd)= 
tige 3). 3aime (Sacob) I. Bon 9lragonien nach Bielen 
Bergeblichen Bemühungen feiner ben lang gehegten 2Bunf(b 
in Sluöführung gebra(bt, bie „golbene 3nfel" ben SÄauren ju 
entreißen. ®ine J)eButation Bornehmer aJiauren, alö beren 
ber 3ube Badiiel au« ©aragoffa, ein mit ber arabifchen ©hra^e 
Bertrauter SJlann, genannt wirb unb eine SWenge f^touen unb 
IKäbc^en jogen bem droberer entgegen, um ihm „®olb unb ©über, 
dbelfleine, golbene Ketten unb anbere Kofibarleiten Bon hohcwi 
23erthe"mit ber Bitte ju überreifhen, ihnen ba« Seben ju f($enfen 
unb bie ^auBtftabt mit Blünberung ju Berfchonen. 3aime achtete 
nicht auf ihre ©efchenfe unb überließ bie ©tabt acht Sage lang 
ben jügellofen Begierben feiner wilben ©olbaten. Bon ben im 
ipafen Blaüorca’« liegenben ©chiffen wehten bie aragonifchen 
glaggen, unb bie 3nfel war nunmehr in SIBirtlichteit ba«, wo« 
für fte immer gehalten würbe, eine fpanifche ißroBinj; ihre 
Bewohner finb, wie ber dh^Bnift pch auöbrücft, wahre ©panier 
unb ihre ©efchichte iü ein Sheil ber fbanifchen. SBa« SBunber, 
baf auch bie ©efihichte ber 3uben, welche auf ber „golbenen 
3nfel“ wohnten, Bon ber ihrer Brüber im fpanifchen Reiche 
ni^t wefentlich oerf^ieben ijt. S)iefelben ^eimfuchungen, bie« 


7) Alqueria Axat, quatro jovadas, de Jufre Judio ; 

Rahal Beniap Ditaf, cinco jovadas, de Almo Judio; 

Rahal Axat, quatro jovadas, de Sahic (Zadic) Judio; 

Alquera Dalbenia. ocho jovadas es de Astruc de Tortosa y de tres 

hermanos suyos; 

Alqueria Alahara, ocho jovadas, es de Astruc y de su Compafiero. 
Dameto, 1. c, 273 — 292. 

7^) Miedes, Historia del Rey D. Jaime (Valencia 1584) 127.. . 
im hebreo Carago^ano llamado Bachiel, que entendia la lengua araugia. 


75 


fd6m ®efcrii(fuugcn; i^r fernere^ Sßeüftt billiet eine gro^e Ä'ette, 
in fcer jicf) Seib an ßeib fügt, fein f)efler ©onnenfe^ein burdi» 
bvi^t bie unl^eilbrol^enben SBolfen il)re« fdümarjen ^orijonte^. 

Äautn üatte fid) 2). 3aime ber Snfel nerfiefeert, fo naf>m er 
ben Suben it)re gro^e Synagoge, welche fid), wie bereite er= 
wä^nt, in ber ®?onte <Sion’^»6tra^e befanb, unb nerwanbelte 
fie äum Qtnbenfen an ben glüdlicf) erfod)tenen ®ieg in eine 
Äirc^e. 9tu§erbem fd)enfte er bem Drben ber iPrebicatoren bie 
2ubenflabt ißalma’« fammt einigen •Raufern imb einem gro» 
^en barin befinbli^en unb legte if)r ben 9?amen (5ala= 
traua bei. ®ie 6^nagoge würbe i^nen na(^ einigen Sauren 
wieber }ur Senu^nng übergeben®). 

SBei einem SBolfe, wie ba^ iübifc^e, uon bem bie ß^ro« 
nijfen unb bie im ®ienfie ber @eifilid)fett fiel^enben ®ef^id)ti 
[(^reiber gewöt)nli($ nur ba« ©c^Iimme melben, i|l ba« nega» 
tiue ®tiüfc^weigen etwa« Ißojttioe«. IRedmen wir ben Sefu^ 
9lat)munb be ißenafort’«, welcher 1269 aud) IWallorca becl)rte, 
um Suben unb SDtauren ju befeljren, ab, fo etfafjren wir 
lange 3cit nid)t« über bie 2age ber Snben in biefem Sf)eile 
be« aragonif(ben Äönigreid)«. 

6in eigentt)ümlidKr SSorfoü wirb un« au« ben 3lnnalen 
ber Suben biefer Snfel oom 3a^re 1314 gemelbet. 

S^riflen famen au« ®eutfd)lanb na(^ Katalonien, um ba« 
3ubentl)um anjunefimen. Sßon ben Sflabbinern oerfdjiebener 
fpanifd)er ®emeinben abgewiefen, wanbten fie ft(^, ba man 


8) Mut, 1. c. 301; Simeon Duraii, RGA. III, Ib; Da- 
meto, 1. c. 317: Teiiiendo pues el Convento la pla 9 a, y la Aljama 
de los Judios com las casas que les dio el Rey; tJßl. aud) t)ie 
©c^cnfuHö^slIrfunbc X). Jainie’^ t)i>m 12. 2unt 1231, fowic bie Geffien 
2). ^ebro’C' »cn ^lortucjal \>cn 5lpril 1236 (bei Dameto, 1. c. 315 f.). 
Jn Ic^tcrer llrfunbc C0 : Universitas et tota aljama Judaeorum .. . 

nobis solvunt... Quas tenent Judaei nostri et est infra Carraria 
publica et de cantone ipsarum domorum vadit recta linea . . . Omnia 
Judaei nostri habebant per alodium francum. 


76 


aud) in ßeriba unb Ocrona ilircm 2Bun[d)c ni(^t tnUIfai^rcn 
rooHte, na^ SWaüorca. Ob i^nen ^ier weniger 6d)Wierigfeiten 
al« an ben anberen Orten gemacht würben? 3Wan war un« 
befonnen genug, fie juäulafl'en. Unbefonnen, fage icb, weil 
bic aragonif<^e Regierung üllleg aufbot, bie3uben üon i^rent oä» 
terlicben ©lauben abfpenfiig ju ma(^en, weil bie ©efe^e jirenge 
(Strafen über diejenigen oerbängten, welch« el ficb einfallen 
liefen, eine ©briflenfeele bem Himmelreiche ju entjiehen *“), um 
befonnen, weil fie wußten, bab bie ©eiftlichfeit mit 9lrgu«augen 
über jebe Uebertretung ber föniglichen Orbonanjen wachte, 
unb fte erwarten fonnten, bah «in Sorfall bi«f«r 5lrt nicht ohn« 
übl« »folgen für ft« bleiben würbe. Unb in ber Xhni/ laum 
hatte ber Sifchof oon SDtatlorca oon ber Sßelehrung Äunbe er= 
halten, al« er au^ fofort ben 3uben ber 3nfel ben iProceh 
ma^te. der iBif^of SBilbelm oon SBillanueoa oerurth«ilte fte 
ju einer ©elbflrafe oon 150,000 f^l.: jwei dritttbeile biefer 
Summe floffen in ben Staatifchab, 5000 f^l. tarnen bem 
öifdjofe äu @ut« unb ber 9lefl würbe jur (Erbauung einer 
(Eapell« b« Santa ffe, nah« bem Jhoo« bei (Earnfto oerwanbt. dad 
geifiliche Oberhaupt hanbelte ganj in bem Sinne feinet Äönig«, weO 
djer biefe (Eaoetl« 5 «hn 3 ahrefjtäter mit reichen Seneficien oerfah 
die grohe ipeft, welche 1348 unb in ben folgenben 3ah= 
ren aHüberaü ihre Opfer forberte, hntt« auch Süallorea nicht 
oerfchont. Son Sicilien auö hnO« fi« ihren ®«g borthin ge* 
ttommen unb fo furchtbar« 23«rh«erungen angerichtet, ba§ bie 
tieine 3nfel fafl entoöltert würbe: bie Älöfler waren leer unb 
auögeftorben, fleine 3ungen muften ju ©eifilidjen geweiht 
werben, oon je hunbert 3Wenfih«n ftarben ochtjig. 

(Eine nicht minber oerheerenbe (Epibemie wülhete bort 
1384, in welchem 3ahre baS Sterben fo auherorbentlih 
war, bah tfrembe unb Olu^lünber unter ben günfiigfien 


8») Simeon Dur an, RGA. III, 4Sb. 
9) Mut, 1. c. 300. 


77 


Sci>ingungcn in allen Steilen ber 3nfd M nieberlaffen 
tonnten 

©ieben Saläre fpüter bot SKallorca ben «Scbaupla^ einer 
iWeuterei, joelf^e allmälig ben ß^arafter einer offenen SReoolte 
annol^m. mar in bem benfroürbigen 3at»re 1391. ©an} 
Spanien Ijatte fic^ gegen bie 3uben oerf<bmoren, an aßen 
Orten ber 9Ronarcf)ie mar „ber Sif(^ i^re« Unglüd« mit ©ift^ 
traut unb ßßermutt) bcfe^t." 5Die 3uben Seoilla’«, ßorbooa’^, 
Solebo’^, SSalencia’^ unb anberer Stabte maren t^eil^ nieber= 
gcme^elt, t^eil« gegmungen, ba^ ßl)rijlentl)um ju erl)euc^eln. 
S)a breitete fict) aucf) „über bie ©evneinbe be« fierrlic^en 2Raß 
lorca, melct)e« an bem ©ejtabe be^ IKeere^ gelegen ift, bie ipiage 
au«.“ 5tm IReumonb^tage be« ßlul (2. 3lugufl) liefen einige 
SBuben in bie ßRonte Sion^*, ober gro§e 3ubengaffe in l)3alma 
unb erhoben ben SRuf: Job ben 3ubcn! ßrmacl)fene gefeüten 
jtd) ju i^nen; 5ltte led^jten na<$ bem S3lute ber 3uben unb 
blicften fel)nfud)t«üoü na^ i^ren Schäden. 3tt>ci über ein* 
anbergebunbene Änüttel bienten if)uen al^ Äreuj unb 3«i<^en, 
melct)ed 3cber, bejfen fie anfid)tig mürben, oerel»ren unb an» 
beten mufte. ®ie Söebrüdten festen fict) jur 2Bef)r; einer ber 
fungen SRöbelSfü'^rer mürbe oon einem 3uben ergriffen unb, 
na(^ ben Sorten be« ßf)roniflen, in feinen Strmen erbrüdt. 
9?id)t^ beburfte el meiter, bie milbe 3Renge anjufeuern; 5llle 
moßtcn ben Job beiS für il>re t)eilige Sad^e gefaüenen SSuben 
räd)en. San fiürjte ft^ auf bie 3uben^aufer, unb e^e no(b 
ber ©ouoerneur mit bemaffneter Sannfd)aft bci^eieilte, I>atte 
bal ©eme^el begonnen. ®ie 9tul)e tonnte nicf)t mel)r ^erge» 
fteüt merbcn. Ißergeben^ maren bie SSemü^ungen be« ©ouoer» 
neur^, umfonjt bie S3erfui^e ber Sagifiratlperfonen, baö mü» 


10) Mut, 1. c. 346. 

11) @d)reil’cn fceSD. Chasdai Kreskas (angcbängt bem Schew. 

Jehud. [ed. Wiener] 129: rrn ijgL Mut, Kc. 251: algunos 

muchachos. 


78 


t^cnbe Sßolf iu bcfdiwic^tigen ; i^re 9lutorität Würbe mit 
getreten, man artete Weber ®ro^ungen noc^ Sitten unb über* 
ließ jtc^ ganj bem SRorbe unb bem tRaube. 

Salma war in jWei 2ager get|eilt; ajlatrofen unb ülrbei» 
ter ftanben ben SRittern nnb 2Ragijirat«b«foncn feinbli^ gegen* 
über. 3n ber i^erfon be« IRicoIa« Srou be ißitla wählten 
bie 9lufflänbigen ihren t^u^rer, unb biefen gur(ht unb 
©dhred einphenben ®lenfchen an ber ©bi^e, jogen fie mor* 
benb unb blünbernb bur^ bie ©tragen; jte nahmen ihren 
SSBeg nach ber Uniüer|ität, um auch bie bort jich uerjtedt hnl“ 
tenben 3uben aufjufuchen, jte überfielen [elbft bie Raufer meh* 
rerer (Ehripn, Welche ftch ber UnglüdUchen erbarmt ^aU 
ten unb fte bei jtch uerborgen hielten, ©ie biünberten unb 
raubten unb liefen „SRaüorca einer Siefe glei^, in welcher feine 
gifche pb." 3ln breihunbert ißerfonen fanben in biefem Solf^* 
auflauf ihren Xob, gegen achthunbert retteten ftch in ba^ fönig* 
liehe (Eajtell (bie Uniöerfttät), bie übrigen gingen über.^®) 

3u folchen (Ejeeffen burfte ber aragonifche ^of, fo wenig 
er fich auch fonft ben 3uben geneigt jeigte, nicht ruhig blei* 
ben. 25er bamalige Äönig 3uan I., ein genupebenber fyürji, 
ber mehr ber „gröhlih«nSBiffenfhaft", biefer lieblihen ©höhfung 
ber heitern ißroöence, unb ben 3agbuergnügungen al« feinen 
SRegierung^gefhäften lebte, hnWe feiner jungen ©emahlin Sio* 
lante bie ©orge für ba« ©taat^heü überlaffen. Äaum war 
bie Königin öon bem Sluffianbe in ißalma in Äenntnif ge* 
fe^t, al« fte auh fofort, ohne bie ©hulbigen non ben Unfhul* 


12) Schew. Jehud.,47 ; ©chreiben beSD. ChasdaiKreskas, 
129: ,13 i'aiff ( ['3 'cs ,ni3i3 ^«v] .i'jficas) .11KB3 ,113151 nibitffi niti3 lA^n'i 

li>B,1 buBB laliBl niNB ,1J1B!» 1B31 ,11»Bt niNB VlbV! IBS B»,1 !!Mip3 1.1B1 BW 

3uttj, ©ßnagogateipoeriebeSSIRittetccfterS [53crtml855] .ii'b.i b'i«»j,ii 
45; „300 tarnen um, 400 (mu§roobI beißen 800) entflohen... " Unter hua 
Tba.i tü ba§ auf einem Etügel gelegene Unioerjttätggebänbe (f. Jejt) gu 
netüeben. SSgl. auch Jovellanos, Memorias hLstoricas sobre el 
Castillo de Bellver en la Isla de Mallorca (Palma 1813) 47 flf. 


79 


bigen ja fc^)dbcn, bie 3nfel ju einer 6trafe non 150,000 %l 
öerurtl)eilte. SJoßorco fanbte ®eputirte an bie Königin, um 
biefen »efe^I rüdgängig ju ma<^)en. 2m 9?amen bet 3lbel«< 
Partei jießten fte i^r oor, ba§ fie nic^t bie S^ulbigen mären, 
bai fte iStle« aufgeboten Jütten, bie 2uben ju fc^ü^en, unb 
folglich ni^t 6trafe, fonbern öielme:f)r SeIo:^nung öerbienten. 
SDie SDebutirten l^eilten i^r alle (Sinjel^eiten be« SBorfaH« mit 
unb baten fte micber^iolt, menigften« bie 9lbel«bartei non ber 
Strafe ju befreien. 2(üe ßinmänbe unb Sßorfieflungen ber 
iWaüorcaner blieben frucbtio«. Sßiolante fcEimor bei bem Äinbe, 
m fte unter intern ^erjen trug, @erecf)tig!eit ju üben unb 
ben Sob ber unf(^ulbig gemorbeten 2uben nad) Set^t unb 
@efe^ ju tää)m. 

Unoerric^teter Sad^e lehrten bie Se^tutirten na(^ ^aufe 
jutüd; bie auf 120,000 ermäßigte ®upe mürbe burd) 

au^erorbentlidie Steuern aufgebracht. «Hc iBemohncr ber3n^ 
fei, bie gcblünbcrten 3uben nicht ausgenommen, mußten jur 
Tilgung ber Strafgciber beitragen 

2 . 

®a« 3ahr 1391, beffen (Sjeeffe, fo meit fte HKallorca be» 
rührten, mir fo eben ju f^ilbcrn oerfuchten, bilbet einen 
SBenbebunft in ber ®cfchi(f)tc ber 3nfel. „SBon fener 3cit lei« 
ten bie ßhwnipen ihren SBerfaß ab“ ruft ein neuerer .^iftori« 
fer feiner ^cimath bebeutungSooü aus^®). 

6in feineSmegS gcringanjufchlagcnber ©runb für ben S8er« 
faß ber „golbcncn 3nfel" bürfte, unb nid)t mit Schmierigfeit 
auch barin gefunben merben, bap bie 3ubcn feit bem benf« 


13) ©0 Mut, 1. c. 253; noch Sulcet, bei Jovellanos, 1. c. 
19, jobtten ße nur 104,000 g(. 

14) Mut, 1. c. 252 f. 

15) Desde entonces derivan los corronistas de la isla su deca- 
dencäa, Jovellanos, 1. c. 49. 


80 


»»ürbigett 5tugujitage fcc« fturmberocgtcn 3at>rc« ficb immer 
mc^r unb me^r oon betfdbcn entfernten. ®urd> it>ren Stb^ 
jug Berlor jie ni(^t allein an Vermögen unb materiellen Äräf= 
ten, fonbcrn geriet^ au^ ber »on ben (Emigranten mit 
unb SRü^rigfeit', fomol)l ju SEßafer, aU ju Sanb betriebene 
|>anbel in <StO(Jcn. 

SBermöge feiner SBeltlage mar gemi§ fein ipunft geeigneter, 
^anbel^leute an fein ©eftabc ju locten al« iWallorca. (E^ 
bilbete gemifferma^en ein ITOittelglieb smifdien ben cataloniffb^ 
l^rooencalifc^en Sänbern unb Ifrifa, mie au(l) einen lieber* 
gang^fjuntt, bie 3®ifc^cn'®l<*tion für ®icilien^®j. Familien 
au« ber ißrobencc unb ©icilien fiebelten fu^ Ijier an unb 
tnübften oon ^ier au« $anbel«uerbinbungen mit ben früheren 
.^eimat^«länbern unb ben gegcnnberlicgenben afrifanifdien 
©tabten 2uni«, Sllgier u. a. an^^). 3)ie 2Bid)tigfeit unb 
Sebeutfamfeit ber 3nfel in mercantilifcfier Sesieliung mar bem 
aragonifd)en ©roberer, bem obenermal)nten 5D. Saimc I. 
nid)t entgangen. 6r bef(bü^te bie Äaufteute über alle«, firebte 
banad) , Ultallorca jur ^aubtjiation be« euroi)äifc^*afri{anifd)cn 
^anbel« ju mad)en unb ^atte gleich nat^ ber ©roberung ben 
ipian gefapt, in ißalma eine grofe Sßörfe (2onga) erbauen ju 
laffen^®). ®er ■^anbel lag aber auc^ f)ier, mie faft allent* 
halben, mo jt(h 3uben befinben, in ihren .^änben, benn bie 
2)tallorcaner, „f<hmätmerifch bi« jum Uebermaap, abergläubifih 
bi« äum Sßahnfinn, gcfühllo«, ja flumhfftnnig , tragen ben 
©harafter einer h^ünominalen Dummheit unb einer fprüd)* 
mörtli^ gemorbenen Srägheit unb gaulheit an fid)" 


16) 3i*nj, 3“'^ 'mb Sifervitur erlin 1846) I, 523. 

17) Simeon Duran, RGA. I, 75» u. 91. 

18) Laurens, Souvenirs d’un voyage d’art a l’ile de Major 
que (Paris-Montpellier 1840) 48. 

19) Lacroix, lies Baleares (Paris 1847) 9. 


81 


ÜKitticm 3af)re 1391 f^wanb bcv ®lanj Sküorca’«. SBielc 
3ubcn, öon i>er3ut>ringlii$!eitbcr bete^rung^wüt^igen ©cijlli^en 
»erfolgt, ergriffen ben Sffiauberjtab iinb manbten p(f) friebUd;ern 
©egenben, befonberd ber moIabarifd;en Äüjie^”) unb ben afrifani» 
f($en «Stabten Juni«, 3:lemfon,5Ugier,^onain u. a. ju. Sieburdi» 
brangen mit ber ©rfa^rung i^rer eigenen 35ergangenbeit ber Bufunft 
hielten Sd)Ieier unb begriffen, ba§ für fte, @ott ergeben unb 
glauben«fe^i wie fie maren, ein fernere« SBeilen auf iWatlorca 
nid)t möglicf) fei. 3« Jaufenben jogen jie fort; if>re Sabbi» 
ner, bie treuen ißflegcr ber jübifc^en £e^re, begleiteten fie auf 
ihren SBanberungen unb nach ihren neuen SÜBohnfthen. 

üliuh SJtatlorca mar nicht üermaijl, auh biefe fleine 3nfel, 
bie .^eimath eine« Mahmunb 2uß , jählte ba« ganje 2JtitteI= 
alter hinburh fübifhe ©eiehrte unter feinen Semohnern. ®ir 
heben hier befonber« heroor: 

91. Sd;em Job f^alcon (f^alco), welher hier ©in» 
rihtungen ritueller 3lrt traf^^). 

9lron Jacoben ben3acob (1306 — 1320) au« feiner 
^eimath, ber iprooence oertrieben, fdirieb auf IKallorca feine 
„2eben«bfabe" (Orchoth 

39t ofe« Otimo« nannte DJJallorca feine |>einiath. ©r 
mar in ben jübifhhhile’ffbh*f<^>en Shriften mohl bemanbert 
unb ging al« Qlrjt nah Sicilien, mofelbft er fth (gegen 1400) 
bem Jobe meihte^**'). 

91. Beinah Jur an manberte oon ber 93rooence mit feiner 

20) Moses Pereyrade Paiva, Noticias dos Judeos de 
Cochim (Amsterdam 5447 = 1687) 9: 4130 (muj; ^^ci^eu 4150) a 
criasao do mundo chegarao a esta regiao em a costa de Malabar 
de 70 para 80000 (?) almas israeliticas salidas do Reyno 
de Maj o r c a. 

21) Simeon Duran, EGA. III, 17a: 

('T rrp7) p ppr.n pp?s 

22) ßunj, X)k ölituö be§ fpnaijogalcu (^pttcebienfte^ (53crüit 
1859) 31. 

22a) 0tetnff^neib er im (^^alu ,3 IV, 66 ff. 


I. 


6 


82 


gamilie au« uni» lief jtef in SWaHorca nieber. ©ein Xob 
juurbe au<^ borr beflagt unb feinem 3(nbenten }u ßfren fiel^ 
ten 9i. 3JJ arb o(f ai 9J a gar unb 3cni®cf)’^ S'Jiffim 
Sei^enreben 

Seftgenannter motinte ebenfall« bort^^), glei(f)äeitig mit 
bem bereit« ermähnten SKarboefai 9tagar, roeld)et fpdter 
ua^ Suni« überjtebelte^®) , unb einem ülnbalfom = 
raim, beffen Äenntnif in ber Slritfmetif gerühmt mirb.^®) 

91. ©amuel Kfalawi mar ein geborener SJlatlorcaner ; 
er manberte mit feiner grau , melcfe ebenfall« au« ÜJtatlorca 
ftammte, nai^ 91frila au«^®"). 

9t. ScTOod} ® uralt’« ©ofm, ber berühmte ©imeon 
®uran, fd)Webte in feiner Sugenb, mäfrenb eine« ®olf«aup 
lauf« in $alma, oieüeii^t 1391, in 2eben«gefafr“^); er be< 
lleibete in bergolge al« 9tacf)folger be«9t. Sfaac ben©^e = 
fdiet ba« 9labbinat in 9llgier*®j. 

9(ucf ber mit ©imeon ®uran Oerfi^mdgerte 9t. ültofe« 
®abbai, melcfer fi(^ 1391 na^ ^onain manbte^®), 9t. 
ültofe« 2lmar, 9t. Sßibal 9t. ©alomon 

ben 9lbral;am Sdi'l’fati, Stofe« ©ifeli®®), fomie | 
. . oiele Slnbere, melcfe einjeln aufjufü|ren überflüffig märe', leb« 
ten, lehrten unb mirtten auf ber 3nfel, unb man^er jübifefe 
©tubent raftete auf feiner SSanberfefaft oon Kajtilien nai^ 
©icilien in bem lieblichen Stallorca®^). 

23) Simeon Duran, RGA. I, 28a. 

24) Ibid. I, 65 b, 28a. 

25) Ibid. II, 14a; I, 32b, 59b, 32a u. d, 

26) Ibid. I, 82 b, 87a. 

26a) Isaac ben Schescliet, RGA. 88, 175 u. a. 

27) Simeon Duran, RGA. III, 5b. 

28) Ibid. I, 80a U. a. m. 

29) Ibid. I, 29b jlsaacbenSc besehet, RGA. 52, 292ff, 308 f. 

30) Isaac ben Scheschet, RGA. 43; 293, 148, 308 u. a. ; 

374 ff; 52. 

31) ßur ®efcl}id;tc unb l^iteratnr I, 524. 


83 


SBerfcn voix, e^e mx ju unferer ®e[d;i(^tc jurücffe^ren, 
noc^ einen flü^tigen Slicf auf bie religiöfen SSer^ältniffe ber 
3uben 3D^a(Iorca’^, mie fte ftc^ mit bem ®nbe be^ 14. 3cit)P 
t)unbert<S gejtaltetcn, fo ^aben mir befonber^ brei ^auptpar^ 
leien in^S 5luge ju faffen. 

®ic übermiegenbe äRaffe ber 3uben gehörte bem 6(Jeim 
c^ripent^ume an. Sic maren ß^riften mie bie ^Keiften ber 
in biefer be^ ®rucf<S Uebergetretenen ; jum 6l;riftent^um 
ge^mungcn, maren fie ß^ripen unb 33efenner be^ d^riillicben 
©lauben^ bem bloßen Scheine nach, im Snnern halten fie eine 
gemiffe ßiebe unb Qlnhüngtid)feit jur Stammreligion bemal)rt, 
mel^e ficb nid)t allein baburd) äußerte, ba^ jte nad) bem 
Xobe mit ben ihnen in bie Seligfeit oorangegangenen S5er^ 
manbten gern oereint in einem Soben ruhen, mit einem 
SBorte, al^ Suben begraben fein moHten^^), fonbern fii^ and) 
burd) ftrenge^ unb confequente^ gefihcilten an gemiffen iübi= 
fdhen ©ebräuchen unb Zeremonien ju erfennen gab. 

®iefen51nuffim (jum Zbriftenthume ©ejmungene), mie fie ftd) 
felb jt unb mie 51nbere fre nannten, gegenüber, ftanb eine f leine S^aar 
rei^tgläubiger 3uben, meld)e ba^ jübifd)e @efe^, mie e^ ben 2Sä^ 
lern überliefert morben ift, j^ur alleinigen 5lichtf(^nur i^re^S 
Sebent, ^anbeln^ unb fflanbeln^ madjten. maren biefe^ 
bie „©eehrten unb 5lngefehenen ber ©emeinbe''. 3h^ Subem 
thum jtanb ihnen höh^^ aU 2eben unb ©lüd^güter, fie moll^ 
ten um feinen 5|3rci^ ihr ®leiben bur^ ein erheud)clte<§ $e^ 
fenntniß erfaufen unb entfernten ft^ in ben nä(hjten oierjig 
Sahren oon ber SnfeL 

Zine brüte ^Partei bilbeten bieienigen, mel($e fich unter 
ben Äirchenfubb^In no(^ ni^t gebeugt unb mit bem Suben^ 
thume ebenfalls noä) nid)t gänjlii^ gebro(^en h^^lün. ®urdh 
Oteidhthum unb äußerlid^e Stellung übermüthig gemorben^^"), oer^ 
nad^läfj'igten fte bie SReligion^gebräudhe, oerf^mägerten ftch mit 

32) Simeon Duran, RGA. IV, 14^. 

32a) Isaac ben Schechet, RGA. 153. 

6 * 


84 


d}rift(id)cn gamifien, apen unb tränten mit i^nen, legten fid) 
(^^rifHic^e 9Jamen bei, accomobirten fid}, mit ^intanfe^ung 
ii^rer religiöfen ipftic^ten unb Obliegenheiten, ben Sanbe^ftt^ 
ten hwlbigten im 9UIgemeinen bem craffeften 3nbifferentil= 
mu^ unb maren mie mit fich felbjt, fo au(^ unter fid) höd)ft uneinig. 

^n biefe manbte fi^ i^r fianb^mann SR. Simeon Ouran 
non 311gier au^ mit einer herben, mahrhaft ergreifenben Straf' 
brebigt, in ber er fie jur 6intra(^t oäterlich ermahnte, fte an 
ba^ bereite ertragene Seib erinnerte unb anä) ba^ ihnen be=^ 
oorftehenbe Unglüd mit grellen garben f(hilberte 

SR. Simeon Ouran’^ Sorte oerhallten mirfung^lo^ unb 
bie SD^allorcaner 2uben liebäugelten mit ihren ^riftlichenURit^ 
bürgern umfonft; fie blieben na^ mie oor bie oerabfd;euten 
Suben: ber gegen fie murjelte ju tief im SBolte unb mürbe 
in legier burch bie SRnmefenheit beö gemaltigen Oomini^ 
caner^ SBicente ^errer noch mehr angefaiht. 

Qluf Sunfch be^ ®ifd}of^ ber Snfel unb be^ oon bem 
Älofterbruber gemählten Äönig^ gerbinanb oon SHragonien 
hatte fich biefer „2Reifter im Saufen'' am 31. 5luguft 1413 
oon Barcelona au^ nach SDtallorca eingefd^ifft. Schon Sag^ 
barauf lanbete er in ber ^aubtftabt unb eröffnete unoerjüg^^ 
lieh feinen S)3rebigt^Khclu^. 3n ieber JRacht oeranftaltete er 
eine S^rojeffion, an allen Orten fuchte ber unermüblich eifrige 
ffiunbermann ju belehren unb — feine SRbreife mar, mie ber 
(Sh^mnijl berichtet, ein Sriumhh 22. gebruar 1414 

prebigte er jum lebten 2Rale auf ber 3nfel. 9?othmenbiger 
©efchäfte megen berief ihn fein Äönig nach Sortofa — %xap 
Sicente gerrer follte mit ben bort oerfammelten SRabbinern 
Spanien^ öffentlich bi^putiren 

33) Simeon Dur an, EGA. I, 34*^, III, 48b. 

34) Ibid. III, 48b, 3 oft/ 1. c. YIII, 39. 

35) Mut, 1. c. 288 ff. 

36) Furio y Sastre, Memorias para servir a la historia 
eclesiastica (Palma 1820) I, 116 ff. 


85 


3Btc aui^ ba« Saufunwcfcn auf SRatforca »üt^cte uub 
welken Srium^)!^ i>ort auc^ feierte, bie 3uben f)atten 

al^ ©emeinbe bennod) erf»alten; fie befaßen noef) jttjei 
©ßnagogen®^) unb über fe^^jig Sfiorarotlen ®®). ®a^ ^ier« 

über mmtUtge Sotf tHirjte ft^ in feiner ©lauben^wutt) auf 
beibe ©otte^^äufer unb jerftörtc fie beibe an einem Xage; ju 
i^ren religiöfen Sßerfammlungen mürben i^nen einige Simnier 
in einem Sfiurme angemiefen, melier no(f) öor^nben ift unb 
ben eußfionifctien 9?amen Torre del Amor ( fiiebe^t^urm) 
fü^rt. 

1435 braef) nun enblicf) ba« if>nen uon bem ebcln 
S;uran broß^ejeiete Unglücf über jie ein. 

begann mit berfelben 2ä^erlict)leit, melct)e unjäftlige 
SJtale bi^ auf unfere Sage tjinab benu^t mürbe, ba^ unmif» 
fenbe unb. leichtgläubige 93oIf gegen bie Suben ju 
ÜKan fbrengte ba« ©crüc^t au^, bah ©h^twoche einen 

SKauren, ben Siener eine« Suben, ergriffen, i^n gefreujigt unb 
alle Dualen hätten crbulben taffen. Ser Sifi^of ©il ©anchej 
IDtuiloj mürbe non biefer — Sid)tung unuerjüglich bena^* 
richtigt. ©r Ue§ auf ber ©teile jmei Suben, bie ihm al« bie 
Urheber be« SBerbrc(^en« bejeidinet maren, in Äettcn fchlagen 
unb ben maurifchen ©claöen, ber troh Ärcujigung unb SDlar» 
ter noch am Seben mar, in ©ii^crheit bringen. Sic 3«ben 
oermanbten fid) für ihre unfchulbiger ®eife eingeferferten ©e= 
noffen bei bem 23ice»©ouuerneur ber 3nfU, 3uan Se«far, meU 
d)cr auch mirfli^ ihre f^reilaffung unter bem Ißormanbc oer^ 
langte, bah Suben ©igenthum be« Äönig« unb nidit ber 
Äirche mären, bah ih*”» ©teltoertreter fei* 

ne« SKonarchen, juläme, fie jur ©träfe ju jiehen. 9?a(f) 
einem ad)t Sage mäbrenben ©treite jmifchen geifilicher unb 

Sa« ©(breiben bc« Äöiiig« an gerrer ift bafirt Bon Seriba, 
20. SloBemt'cr 1413. 

37) Mut, 1. c. 301. Vgl. Simeon Daran, RGA. III, IB. 

38) ßnnj, SRitn«, 44. 


86 


« 


ttjclflic^er SOJacfit, gai» ber Sifc^of ctifclid^ nad) unb entließ bie 
Silben am 6. fWai ber |>aft fflaten ^ie frei? ÄeineSwegg; 
e^ mar nur ein SÜBanbern com ®pi^cofial=@efängni§ in bal 
be^ ©taatel. 

SOTetirere 2age berftoffen, efie ber ©ouberneur Ülnfialten 
traf, fie in SBer^ör ju neiimen. ®al Sßolf er^ob ein laute« 
SKurren ; allgemein l)i«§ bie reidien Suben ^tten itin burd» 
ibr @o1b 5 u bemegen berflanben , ein fo „fdiredlicbe« 23er= 
breeben" unbefiraft ju laffen; feine „Suftij fei eine mit @olb 
befebte unb für @olb feile Sujiij". ®ie ©eijilidben fd)leuber= 
ten bon ben Äan§cln b^rab ilire SBermünfd)ungen auf ba« 
2Scrfal)ren be« Stattbalter« unb reijten in iliren iprebigten ben 
ipöbel gegen ibn unb feine (Scbüblinge, bie Suben, auf. ®ie 
SBorte ber @eiftli(bfeit jünbeten. ®er milbe Raufen ftanb 
auf bem *|3unfte, bie Subengaffen jU überfallen; bem ©ouber» 
neur blieb, um biefe« ju berbüten, nicht« anbere« übrig, al« 
bie 6ad)e fofort jur öffentlidien Serbanblung ju bringen. 
6r bilbete einen SRatb au« bem Sicar, ben ©efdmorenen ber 
Snfel, bem Ißürgermeifier ber ©tabt, einigen Seiditbätern, 
hier S>octoren ber Jb^o^oßi^' unter ihnen ber Snquifitor 9lm 
tonio SWurta, unb mehreren ©taat«»ißrocuratoren ®®). 

®iefer bormiegenb au« Dominicanern unb grauci«canern 
jufammengefehte ®eri(ht«hof eröffnete unter SBorfih be« ©ou^ 
berneur« feine ©ihungen. 9Jian fpannte einen ber eingeferfer» 
ten Suben auf bie golterbanf; ber Sube befannte 21Ee«, ma« 
man bon ihm münfdite unb nannte alle Diejenigen al« ÜJlit» 
fchulbige be« Verbrechen«, bereu IRamen man ihm borlegte: 
fed)«äehn feiner unfdmlbigen ©enoffen maren bereit« gefänglich 
eingejogen morben, acht anbere fdimachteten megen ©treitig- 
feiten, bie unter ihnen felbft borgefalten maren, im Äerfer. 

©in unermartete« ©reignif unterbrad) ben 2auf ber Ver- 
hanblungen. ©in elenber OÄenfeh, ber jübifche ^anbel«mann 


39) Mut, ]. c. 302 ff. 


87 


9tfiruc ©ibili'*'’) au« -DJaHorca, lie5 jum ©ouoerneur 
führen, freiwillig übergab er fu^ bem Serielle, um baburd) 
glauben ju machen, bap er, ber al« ber ^auptanfiifter be« 
ißerbrei^en« beim ÜSolfe üerrufen mar, unf(^ulbig unb furc^t= 
lo« fei. QlUe ©i^ulb mälätc er auf feine Oenoffen unb führte 
feine Sßertt)eibigung fo teuftefc^^fünftli^, bap er frei unb unge= 
ftraft entlaffen würbe, freubigen^erjen« fcf)lug er feinen ®eg 511 
ben ©einen ein; bo(f) bie ©träfe folgte feiner oerleumberi» 
fc^en I^at auf bem fuf. Äaum f)atte er non bem @e= 
ri^t«^ofe entfernt, fo würbe er üon einem (Rubel Silben mit 
©teinwürfen begrüßt. Söller Ülngjt flüclitete ©ibili in ein 
.^au«, um bort ju Oermeilen, bi« fiel) bie ®ut^ feiner mutb* 
willigen Serfolger gelegt l)ütte. ffiä^renb biefe i^n aber nocl) 
umlagerten, würbe er oon ben ^äfeberu be« ©ouoerneur« au« 
feinem Serflede b«roorgebolt unb al« Serbrei^er in« @efäng= 
niß jurücfgefübrt. 

®er @eri(bt«bof f^ritt nun mit neuem Sifer ein; ganj 
Salma war in ber größten 9lufregung; bie fuben merften, 
ba§ ein Ungemitter gegen jie im Ulnjuge fei unb flü(bteteu in 
bie ©ebirge oon ßlucb^^). flud)t bot ba«©ignal jum 

Qlufjtanb. 2>a« Solf fe^te ihnen nact), 50 g fte au« ihren 
©chlubfwinfeln hcroor unb bradjte bie 2 Reijten ber ©ntflohenen 
gebunben na^ $alma jurüct. 

fünf Jage bauerten bie Serhanblungen; an einem 
SUttwod) (Äbenb würbe ber oerfammelten Stenge ba« über 
bie fuben gefällte Urtheil öffentlid) oerfünbet. ®« lautete: 
2)ie oier oornehmften Serbrecher, ülfiruc ©ibili jueiji, werben 
lebenbig Oerbrannt ; wollen fie <ich taufen laffen, fo wirb ihnen 
ber Job burch ©trang — im ®ege ber ©nabe. 

40) Mut, 1 . c. 301 macht in einer fcine«t»eg« überrafchen» 
ben SBeife Struch Sibili, mie er ihn nennt, jnm 3labbt (el Rabbi 
de eilos) bei Simeon Daran, EGA. II, 55“, wirb er al« Jpanbel«» 
mann beäcichnet: . ..nsT yni ':ss 2 pn' ia» pnri'j.s is» a'to nmen . . . 

■U) Slnch, and) 8lnch.-*Kaßor, in ber Sähe nmi ’fJalntn. fn ber 
©chlacht bei Sind) oerlor SD. faime III. (1300) Eren’ unb Sehen. 


88 


®ie Sßerurt|)enten würben aUbdb ben 93ei^tnätent über* 
geben, bamit biefe für i^r ®eelenf)ei( beteten. Sie beteten, 
wie ber Sl)roniji t)erji(f)ert , mit foli^er @Iutf), bap fi^ 
greube ^tten, bie »ier jübi[(^en ^nlber in ben S^oof ber 
Sird)e eintreten ju fe^en. Üljiruc Sibili unb feine fieibenäge^ 
fäl)rten nahmen bie Saufe unb bie 9tamcn i^rer i^at^en an; 
Sibili nannte ftef) nunmebr (Sil (Satlar^^). 

9Jlit Sßli|e^f(J)netle nerbreitete fid) bie Ubac^ri^t unter ben 
Silben ipalma’«, ba^ 3lfiruc Sibili, ein Sßielen tum i^nen al« üJluper* 
bilb bienenber ®tann, bie Soufe empfangen ^abe. Sie ahmten 
feinem SBeifpiele nacfi; fie, benen 2eben unb (Senu^fu^t 9Ule« 
unb bie uralte Religion if)rer Sßäter 9ti(f)tö mefir war, jogen 
in ißrojeffion nai^ ber Sglefia IWafior unb baten fu§fdttig um 
3tufnal)me in^ (S^riflentfium. Heber 200 würben an jwei Sagen 
mitSaufwaffer befbrengt; auef» alte ßingeferterten würben getauft. 

3Bel(^e lEBonne für bie fio^e (Seiftli(|feit ! 

3ltle Vorbereitungen jur -Einrichtung waren getroffen. 
3lftruc Sibili unb feine brei ©enoffen fianben bereit« auf ber 
Viditftätte. Sa erwachte auef) in bem ber wilben, 

jiumbfftnnigen IWallorcanet ein 9J?itgefüI)l für bie neugewon« 
nenen Vrüber unb fie felbfi baten je^t eben fo flehentlich um 
©nabe, wie fte früher ihre Veftrafung ungejiüm geforbert 
hatten. ©« war ein fihaubercrregenber Slnblid. Sie eben 

befehrten Sübinnen flür^ten fich mit ihren fleinen Äinbcrn 
auf ben 9lrmen ju ben güfen be« unbeugfamen ©ouoerneur«, 
unb iammerten unter Schluchjen um ©rhaltung ber Shtiüfit; 
ablige Samen ftimmten in ihre Älagen unb Sitten mit ein ; 
hier fchrie ba« Voll unaufhötli^: ©nabe! ©nabe! bort oer» 
fuchteman mit aller Äraft, fie ben Eänben berEüfeher ju entreißen. 

Sie Einrichtung würbe bi« auf benfolgenben Sag oerfchoben. 

42) Vamentlicb locrbcn iw4 aitfgefiibrt (Mut, 1. c. 304) ff-arridi 
(55cr«cl)), ein mitcv ben ftianifchcit Soben bäwfig »mtemmenber g-a= 
müiennaiiic , t er mit bem 9i amen be« Vifebof« , @il HJinnoj, belegt 
ii'urbe, mib Stellatar. 


89 


3lm 9Korgcn bicfe« Sage« — c« war an einem Freitage — 
begab jtc^ ber 33if(^of in bie -^aubtfir(^e unb betete jum 
-^errn, ben Sinn beg ©ouoerneur^ jum SHu^me be« ©laubeni 
ju lenten. ®ie ganje Äirc^e war gefüüt; aüe 9teubefe^rten 
wohnten jum erften 2>Jale bem ^ix^amte bei unb erhoben 
jum erjten SKale in ben nic^t für jie geweif)ten SRäumen it)re 
Stimme ju ®ott — um 2eben. 9tnba(^t malte ftd) auf 
ihren @efi(f)tern. S)ic @eiflli(^en waren uon ber innigen 
33runfl, mit ber jte beteten, ^ö^lit^jl erbaut. 

9tact)bem bie ^ir^enfeier beenbet war, jog ber SBif($of mit 
ben ©ef^woyenen, bem 2lbel ber Stabt, ben SPtagiftrat^b^tfO' 
nen unb aHen Älojlerbrübern in ißrojefjion na^ bem ipalafte 
be« ©ouoerneurö, um nodjmaliS um gänsli^e greifpreefjung 
ber Sßerurt^eilten ju bitten. 

5Den Slöünfc^en be^ ißolfe« , ben S^ränen unb Älagen ber 
Sefe^rten, ben SBorjietlungen ber ©ei^lidjen gab ber bur^ fte 
jur ©raufamfeit getriebene ©ouuerneUr enbli(^) nad). ®ie 
Sßerbred)er waten getauft unb frei. 2ipruc Sibili unb feine 
©enoffen in ber SJlitte nal)m bie ganje iprojeffion i^ren ffieg 
nad) ber ^auptfir^e jurüd, wo ein Te Deum unb ein Salve 
im ©l)ot angejUmmt würbe jur Sufi alter äRatlorcaner^®). 

Meine Seele ifl nic^t mit Sd)ulb belafiet ! rief ber fromme 
2)uran in feinem S(^merje au^, al^ iljm bie 2rauerbotfd)aft 
überbrad)t würbe, ba| bie Suben feiner .^eimat^ feige genug 
gewefen wären, ifiren ©tauben, wenn o.u(| nur jum Sd)eine, ju 
änbern^^). 

3. 

©in SBotf we(^felt nii^t feinen ©lauben Wie einen $anb» 
fc^uf). SDa« jübif^e SBülf burc^ Seiben für feine Dteligion 

43) Mut, 1. c. 304 ff. SScrgl. ^icr^u Simeon Duran, 

RGA. II, 45a: etj? nmisnön nn'srr c'f2ü?n 

. . . rjioi »sinn ^npn ^2 Tanur\sn t; w: sbi im:i 2'nsi 

44) Simeon Duran, RGA. III, 48*^: r;j 2 ‘r sb nr "inx 

.'D^'in '{Tb: nx ':»si . . . c^tb nantrii ^nn .nna enn .Tps c'i^via c'tt' imi '7ipn 


90 


grop gejogcn unb crmten , ^at roä^Knl» feine« a(^tje^n^un« 
bcrtjäf)rigen ©eilen« in ber SBerbannung unää^Iige Selege für 
biefe ©al)r{)eit geliefert. 

9teue i^roben oon ber jübifd)en .^artnärfigfeit bieten un« 
bie Suben SWaüorcn’«, bon benen tt>ir un« fo eben mit S8e= 
bauern unb 23eracf)tung abgemanbt ^aben. <Sie l^atten auf^ 
geprt, 3uben ju fein unb befannten fic^ äu§erlii^ jum Äa= 
t^oIici«mu« : fte befud)ten bie Äir^en, tauften if)re tinber, 
lebten ben 51nforberungen ber 6taat«religion gemd§, fobalb 
fie mupten, ba§ fie Übermacht mürben ; bie SKeijten, menn nicfit 
Stile, maren ben @runbmal)r^citen be« Subent^um« treu ge= 
blieben unb ^tten bie »orne^m|ien ©efe^e ber «Stammreligion, 
melc^e mit tl)rem ganzen Sein unb ©efen, ®en!en unb Sim 
nen eng oermebt unb oerma(f)fen maren, im Verborgenen ni^t 
feiten mit ber größten ©emiffen^aftigfeit befolgt. SDap fie 
fyeimlic^ al« Suben lebten, mar auf ber Snfel allgemein be= 
fannt, unb fo mürbe autf» in biefem Steile ber fbanif^cn 
3Jtonar(J)ie ba« Xribunal eingefü^rt, melc^e« l)ier mie bort 
jum Diu^me ber ^lirc^e unb jum Sammer ber 9J!enf(f)l)eit um 
5öf)lige gejie oeranjialtete. 

®ie Snquifition nimmt aut^ in ber ©ef<^i(f)te ber Suben 
SWallorca’« eine ni(ä)t unbebeutenbe Stelle ein. Verging bod) 
bi« gegen ©nbe be« oergangenen 3af)r:^unbett« !aum ein 3al»r, 
in meldjem unfere armen Vrüber nict)t mit ben ^öUenmeiflern 
jU f^affen geliabt l)ätten. 

©egen fünfzig 3al>re maren feit bem Sage ber Swang«» 
taufe oerfloffen, al« bie 3uquiiitoren i^ren feierlichen ©injug 
in IWallorca’« .^aubtjtabt hielten. 

3hr Veginnen unterfcf)ieb it(f) fe^r üon ihrer fhätern fluch» 
mürbigen Shöi'öfeit. 1488 oerhiepen fie burch ein ®ecret 
allgemeine Slmnefiie allen 3uben, melche heimlich ih^er Veli» 
gion nachhingen, menn fie ihre Äeherei unb ihren Slbfatl oon 
ber Äir^e offen befennen möchten. 3n ffolge biefe« ©rloffe« 
erftürten 260 fßerfonen ihre jubifche Slbjtammung. S)ie Äirche 


91 


ita^m fie t)on SWeuciu aU miige Äint>er auf unb bie .^errcn 
bcö Jribunal^ belebten fie, tro| bcr ^mnejiie, mit einer ®elb^ 
ftrafe non 10,000 J^atern, 

Sine ä^nlic!)e ^rocebur mieber^olte fi(^ in bem Sa^^re nor 
ber allgemeinen Vertreibung ber Suben au^ ber fpanifc^en 
$IWonar(^ie^^)* 1491 baten nämli(^ 424 V^^fnnen bei ben 
Vätern ber Snquijttion um Verjei^ung für i^re Slboftafte. 
Sie gelobten mieberum firc^li»^ unb ^rijtlic^ leben ju moüen 
unb maren nic^t menig erfreut, mit einer bem gi^cu^ einju^ 
ja^lenben Strafe non 1500 ®ucaten lo^jufommen. 

®o(^ nur geringe ^t\t ^errfc^te ba^ Tribunal fo gelinbe. 
S^on 1506 loberten bie inquifttorifc^en Sd;eiterf)aufen auf 
ber 3nfel; bie Silber non 22 gel)eimen ^n^ängern be^ 3u^ 
bentf)umi?, melc^e t^eil<§ abtnefenb unb flüchtig, t^eil^ ner== 
ftorben maren, mürben ben ^entern übergeben unb nor bem 
3efu^tl)ore in öffentlii^ nerbrannt. 

^n berfelben Stelle beftiegen 1509 nier jübif^e grauen 
ba^ gcuergerüft; an berfelben Stelle erlitten 1510 breiguben 
ben Sob, meil fie ba^ Vlofaifc^e @efe^ für göttlid) unb bim 
benb l)ielten; an berfelben Stelle mürben 1511 bie Silber 
non 62 Suben, bie no(^ frü^jeitig genug bem 2obe burc^ bie 
gluckt entgangen maren, bem geuer übergeben^®). 

§ier nerlä^t un^ bie ®efc^i($te. „®ä^renb be^S ganjen 
16. Sa^r^unbertig/' fagt ®. 5lntonio gernanbej be ßorbona, 
„finbet fein Sreigni^, mel(^e^ un^ mit neuen Äe^ereien 

45) (£§ ift febr unirabrfcbeinlicb. ba§ 14:92 guben no^ bjfentüd) 
auf ter 3nfßl wohnten, wie benn auch in ber 23orrebe 5lbrabanel’^ nicl)t 
5)t allere a, foubern Sicilieu unter bie einzelnen l^änber gewählt 
wirb, an^ welchen ji^ vertrieben würben (Schew. Jehud. 89). @elegent= 
lieh hisr bie Scmerfnng, baj) bie im Schew. Jehud. [25J ermähnte 
Stabt nicht bie gleichnamige ^anptftabt 2)?aflorca’ö, fonbern ein 
£)rt ((•) |n? 2'«2 = Balmes ober Belmes) in ber 9tähe C^cija’e nnb 
(iorbova’^ ift, mie fich anö ber (ir^ählung im Sch. Jeh. felbft ergiebt. 

46) Francisque- Michel, Histoire des Races Maudites (Paris 
1847) II, 34 ff. 


92 


fccr ye^eimen 3uben 2)iatIorca’« bcfannt inai^tc. Sei eä wegen 
ter Uneinigfeiten, wel(^e unter ben SKatlorcanern [etbjl au«* 
brachen, fei e« in golge bet ©bibemien, wel^e tiier nur aU 
p pufig wütl)eten, fei e«, ba§ jie bie ©ef^idli^feit Ratten, 
if)r Subent^um ju nerbergen: wir erfatiren bi« 1675 nicf)t« 
über ba§ Scf)i(ffal ®erienigen, welche non bem JBotte pr 
ßlajfe ber „nerfluc^ten SWenfe^en" gejault werben^’’).“ 

91i(^t 3uben unb nic^t ß^riften, ni^t SWarannen unb ni(^t 
9Jeu*ß^rifien, fonbern bie ®ef(^öbfe au« ber ©affe (de la Calle) 
würben fte nact) bem non i^nen bewot»nten Sßiertel, ober auü) 
wol)l ß^ueta«^®), bie Sbedfreffer, non bem fte al« 5lu«fa^ige 
meibenben SBoIfc genannt. Sie t^cilten gleit^e« 2oo« mit ben 
noc^ ^eute in ben *ppenäen non mitten nerabfi^euten ßagot«: 
man fürct)tete ftd^, fic p berühren, iftnen na:^’ p lommen; 
in ben Äir^en mußten fie fteb, getrennt non alten Uebrigen, 
in einem ffiintel nieberlajfen, unb autb auf bem fjrieb^ofe, 
an bem Orte, wo ^err unb Änecbt glei^ finb, naltm nur ein 
abgefd)iebene« *ßlä^cben fie auf. 93?an l^ielt fte für nerfteüete 
unb burtb ben ?(tf)em netbeftenbe SKenfeften, unb non il^ncn 
gelten be« ^Dichter« ftitöne 2Borte; 
ülicbt bie ®efilbe ber Snfel beu'obnt biefeä arme ©eftble^t; nie 
^flficfte e« beä Oetbaume« grut^t, nie f^Iummert e« nnter bem 

ipalmbaum. 

Sßie gern gaben ßinjelne be« Oelbaume« fü^e unb 

47) 3). Sintonio mar @taat«*ipvocurator (del andiencia) in ipalma. 
1786 ftbrieb er „SDlemciren übet Sbiallorca“, jn meinen er bie 9lrcbi»e 
bet Snfel forgfättig benubte. ®iefc iKemoiren, meltbe nie bnrd) ben 
Tiruef in bie Oeffentiiebteit gebrnngen finb unb banbfcbriftlid; non ber 
Äönigl. 9lcabemie ber ©efebiebte ju TOabrib oufbemabrt merben, finb 
non bem nerbienünollen ®licbel in bem eben genannten SBert beniibt 
morben. 

48) gbu«ta ift nach Michel (1. c. II., 53) ein ©iminutif be« 
iKallorcif^en SBortc« Chuya, meld)e§ Speef ober ©nedfreffer beben» 
tct. 9lnbere benfen bei bem SBorfe ßbueta an baö fpanif^e SBort 
Chucho unb ba« gieiebbebeutenbe franj. Chouette, ein 9tn«brucf, 
beffen man ficb bebient, um bie ^mnbe jit rufen. 


93 


tee *pa(m 6 aum§ evquirfcntien <Sd)attcn, alle SHcije bcr 3ufclJ 
auf, trenn fic, felbft Ijodtgefteflt uiit gecbtt, in einem freien 
Sant'e ein freictS Sieb erf^atlen laffen unb aB freie !Kenfd)en 
frei unt) offen i|rem 3 utentl)uinc leben fonnten. ßiner ber 
fteroorragenbjien SJaHorcaner glüct)tlinge war 2 ). Dficola^ 
be Dlioer 9 guUana, welcher auf ber Snfel geboren, 
lange Seit al« „ 6 af)itän unb 6 aoallero iKallorguin" in ißalma 
oerwciltc. 2 ödf)renb et ald iDaniel Sebubal), al^ bet 
©atte ber fpanif^en ®i<$terin Sfabclla (Dfebecca) ©or = 
rea, ruhig unb glüdlict) in bem freien Slmjterbam lebte 
fd}lugen bie glanniten ber (Scheiterhaufen auf feiner ^eimath^^ 
infei liihtcrloh gen ^immel. 

1675 entbedte hier nämlich bie Snquifition brei jübifchc 
gamilien, wcld^e angcjichtS beä Sribunal^ bie 2aroc ber Ser? 
fteüung abgeworfen hatten, gür ftc würbe am 13. 3anuar 
ein tJlutO'-bas^e oeranftaltct. Sohfä, t'ex ©ohn 21braham^, 
in Wabrib geboren, Weidner fid) über alle SWahen heii'tnädig 
im ©lauben gejeigt hntte, würbe mit ihnen lebenbig oerbrannt. 

Sold)e Opfer ftähltcn bie Seelen ber Unglüdli^en unb 
mehrte ihre Siebe ju ihrer Stammreligion, weil man ihre 
91nhänger mit freuet unb S^wert oerfolgte. Sie traten iiw 
nur freier hetoor unb ihre ^artnädigfeit oeranla§tc 1679 fünf 
Feiertage; ipalma hnttc in biefem Sahre fünf luto^ba^ge’^. 

Oad erfte fanb am 6 . 51pril Statt. Snnfjig Sßcrurtheiltc 
erfdtienen auf bem großen ÜWarftplahe ber ^auptjtabt: baö 
Scpidfal ber IKcijten war ewige Äerferftrafe unb ba« Sßermögen 
9lller würbe für ben gi^cud eingejogen. 3 h^f» in einem au» 
§crhalb ber Stabt gelegenen ^aufe befinbliche Spnagoge, in 


49) Äaoferling, Sevbarbini, Otenumifdie ifccneu ber Jubcii 
in Spanien (Seipäig 1859) 245 f. 1650 ineilte biefer nnct) nnter ben 
fpanifch»jübifd)en SDidjtern genannte .^auptniann neeb in Ipalina. din 
lateinifcbeS dpigramnt pon ibm fmbet fid) and) im jweiten Xheite ber 
bSnfig non und citirten Historia del Reyno de Mallorca beb Vicente 
Mut, Sargento Mayor y Coronista ingeniero. 


94 


tt)elc^cr ,,fte ba^ ®e[c^ lehrten unb iübifct)e (Zeremonien üb^ 
ten/' mürbe entbedt unb, nac^bcm ber Scheiterhaufen erlofchen 
mar, oon @runb au^ jerftört 

51m 23. 5lhril mürben 52 unb fteben Jage fpäter 62 ^erfo^ 
fonen in ben Äerfer abgeführt, um nie mehr ba^ Sonnen^ 
li(^t ju erbliden, unb am 3. 5Jtai erf^ienen mieber 46 3ubai^ 
firenbe, oon benen Einige faum 13, 51nbere nicht über 17 3ahr 
alt maren. 5lu(h ihr Hrtheil lautete, in ben Äerfern ben Job 
äu ermarten, 

J)a^ fünfte 51uto-ba==ge mürbe am 28. TOai mit 13 ^er^ 
fonen abgehalten. SJtan mie^ ihnen nach, bap fie al^ Suben 
gelebt, ben ©abbath gefeiert unb jübifihe ©ebrüuche befolgt 
hätten* ®ie Snquifition begnügte fid), iht SSermögen einju^ 
jiehen. 

3n golge biefer unau^gefehten (Zrbreffungen maren bie 
(Zhueta^ arm unb ruinirt, unb e^ blieb ben J)ulbern für 
ihren ©lauben nichts anber^ übrig, al^ bie ,,golbene 3nfer', 
feit ih^^ ^eimath, ju oerlaffen, um in ber 

gerne fich ein neue^ Saterlanb ju fu(hen. Sie muÜjtUn ju 
biefem 3^^^^ 1687 ein englifihe^ ©d}iff, trauten ihm ihre 
»^abe unb ihr ßeben an unb gingen unter Segel. D 3ammer ! 
J)er ungünftige 2Binb nöthigte fie in ben »^afen oon ^alrna 
mieber einjulaufen. J)ie Säter be^ h^iÜ9^^ JribunaU h^ü^n 
5UlciS erfahren unb fäumten ni^t, ihnen ben ^Projeh ju machen. 
(Zrft nach fünfjähriger «^aft mürbe ihnen ihr Urtheil oerfüm 
bet; am 7. Tläv^ 1691 mußten ihrer oierunbämanjig bei einem 
5Iuto^ba-ge erfiheinen — ihr SSermögen mürbe confi^cirt. 
Äaum foHte man e^ glauben! h<^ü^ f^ü lebten 
(Zonfi^cation oon 1679, alfo in bem geringen S^ütaume 
oon smölf 3ahren berma^en gemehrt, bag fie für bie reichten 
Semohncr ber Stabt galten unb bie fchönften -f)äufer bie ihren 
nannten. J)ie 3nquifition allein nahm ihnen bie enorme 
Summe oon ein unb einer h^ilben OWillion Jhalern ab ; einen Jheil 
biefe^ Scha^e^ behielt jte für ftd;, ein anberer flop bem Könige 


95 


ju, bcr SRc)i biente aU eiferncr ?yonb jur Sr^ltung ber Herren 
3nquifttoren bon 2)tattorca unb jur ©rric^tung be« not^»en= 
big geworbenen 3nquifttion«''®ebäube^. 

®em iäuto Dom 7. ®iätj 1691 folgte ein anbere« am 
1. üJ!ai, mit 25 ber in il)rem giud)toerfud;c SKifglüeften. 9tm 
SHeere^flranb, an bemfelben Orte, mo ^e ftd) eingef^ifft t)at* 
ten, um ben -^äf(^ern ju entroifd;en, bereitete man il)nen ben 
2 : 0 b ; angeflagt, bem 3ribent^ume t)artnä(fig ergeben ju fein, 
mürben fie erfi garrotirt (erwürgt) unb bann oerbrannt 

Sine SBojt)c fpäter (6. ®tai) figurirten 25 Slnbere beffet» 
ben 25erbred)eng wegen bei einem 3tuto. 3weiunbjwanjig 
berfelben würben garrotirt unb bann ben flammen überge» 
ben, bie brei Uebrigen würben lebtnbig Oerbrannt. 6« wa» 
ren biefeS bie brei „Judios impenitentes“, 9t ab ^a et 
Sali«, ein „t'oräüglid)er 9tabbiner'-, 9labf) ael Senito 2e* 
rongi unb Satalina Xerongi. Sobalb fie ber glam= 
men aufid;tig würben, geigten fie eine fd>redli^e Sutt) unb 
oerfudden mit aller 39tad)t ben jjeffdn 5« entfommen. S)iefe« 
gelang enblicb Clab^el 2erongi, bem treuen 0d)üler Sali«’, 
weld)er ftd) foglei^ auf ben ©d)eiterf)aufen ftürjte. 211« Sa» 
talina, feine Sd;wejter unb 2eiben«gefäl)rtin, non ben glam» 
men ergriffen würbe, f(f)rie fie laut auf unb bat jämmerlich, 
man möge fie bocfi bem geuer entjiehen, aber ben Samen 
3efu« lönne fie nid)t über iljre Sibbcn bringen®^). Saü« wehrte, 
fo lange er tonnte, bieglammen Bon fi^ ab; feine Knochen 
brannten h^ü wie gacfeln. 

®iefe jübifd;en Slärthrer»^erocn leben noch h^ide bei ben 


50) Michel, 1. c. II, 37. lieber biefe« unb ba« gcigeube »gl. 
nud) Garau, La Fe triuiifante en cuatro autos celebrados en Mal- 
lorca el aho de 1691, bei Ad. de Castro, Judios en Espafia 
(Cadiz 1847) 215. 

51) Äai)fer(ing, Sin geiertag in lOlabtib. ®cfd)id)te ber 
fpanifd)»)n>rtitgicfifd)eu 5aben (Serliii 1859) 45. 


96 


Slatlorcancm im illnbcnfcn. 35!atlüicani[(^e Sroubaboure ^abcn 
in 5 icrti<^en SSerfen, tt)eld)e noi^ ijeutc öon ben grauen ber 
3nfel bei ber 5irbeit gefunden werben, i^ren Job nerewigt.®^) 

2)er eine biefer SBerfe lautet: 

(iS näbert ft(b bie tprojefficn, 

£)(e gilben [(breiten einher ; 

S3flIIä trägt bie ga^n mit ®rott unb ^obn, 

Slerongi baS SSnnnet binter ibin ber.“’) 

@in anberer SBer^ beutet auf bie mit uerbrannte Gatalina 
Serongi, welche ihrem S3ruber nexh auf bem S^eiterfiaufen 
9Kuth einflöfte : 

• $c(b fcblägt em))or bie giammenglutb, 

®em Äteib fie feb<m M näb’rt. 

„9lnf, OiaDba’I mein! .^ab’ guten SJutb! 

Dein Scib bleibt unrerfebrt!" ’•) 

31u« allen ©egenben ber Sttfel mar ba« SßolE 
geftrömt, um ber ©jecution beijumohnen, unb ganj 
war fo fel)r mit gremben überfüllt, ba§ ber junge 3ameö 
<Stanl)obe, ber ®ohn be« bamaligen englifi^en ©efanbten in 


52) Michel fav^t 1. c. II, 319: II existe des poesies populai- 
res qui contiennent toute la relation des autodafes et les details du 
supplice des Chuetas condamnes au feu; elles sont en Couplets que 
des femmes chantent en travaillant; mais mon correspondant de 
Palma n’a pu en recueillir que quelques uns qu’il a reconnus etre 
historiques. 

53) En Valls duya se bandera, 

Y en Terongi ’s pano, 

En SOS Xuetas derrera 

Qui feyan se processo. 

54) Com es foch li va arriba 

A ses riias des calsons, ! 

Li deya: ,,Falet, no’t dons ; 

Que te carn nos cremera“. 


97 


fflMbrit) faum ein Untcrfommen finden fonnte. 5luf tiefe 
fejllic^e ffierfammlung teutet ter folgente 2Ser^ ^in: 

S3on 3i>iQ« firömct i)a^ 23oIf i^erbei; 

X)ie 33auern üon 5(rta, ijon 5lntra4:, 
am fec^ften te^ 5)lonatö 3!}tat 
C^:rfc^ant ja ber ,3wteu SBebgcfc^rei I" 

6in am 2. 3uni abge^altene^ 5luto^ta=fe befdilo^ tiefen 
geiertag^ßpdu^. 

Verbrennen unt 5lbftrafen mar nocf) nic^t^Ulcö! Um ta^ 
ßntfe^en, meli^e^ eine fol^e ©ranfamfeit nerurfai^en mußte, 
mit ten in unmenfd)U(^er 2ßeife ter ©rte ©ntrndten jugleic^ 
ju neremigen, lie§ tie 3nquifition in tem ®ominicanerfIoPer 
©ematte auf^ängen, meld^e nod) im 9lnfange tiefet Sa^r^un^ 
tert^ tnrt angetroffen murten. ,,3d) merte niemals nergeffen'', 
fagt ©raffet te ®aint^®auoeur, ein granjofe, melc^er oor etma 
funfjig 3al;ren tie Valearifc^en 3nfeln bereifte, ,,mit melc^em 
©Corner; id) tie ©emälte betrai^tete, al^ ic^ eine^ 2age^ in 
tem ®üminicanerfIofter fpa^ieren ging, ©in SKönc^ näherte 
fic^ mir unt mad)te mii^ auf mehrere Silter aufmerffam, 
unter tenen fl^ au^ Äno(^en gehütete Äreuje befanten> 
S)a^ jtnt, fügte ter 2Jtön(^ f)insu , tie ©emälte ter 3uten, 
teren irtifd)e Vejte au^gegraben unt in ten ®int jerftreut 
morten fmt. Vtem Vlut ftarrte, \ä) ftürjte fd)nell a\x^ tem 
Älojter, ta^ ^erj mar mir jerriffen, id} mar mie oom Vli^e 
getroffen/' ^0 


55) Spain under Charles the Second [ ed. Mahon] 
(London 1840) 12 ff. 33 g(. aii^ it a t) f e r l i n g , (£in geiertag in 2Ratrit», 45. 

56) Y venia gent d’Evissa, 

Pajesos d’Arta, d’Andraix* *) 

Perque es dia sis de maix 
Feren se sacorradissa. 

57) Grasset de Saint-Sauveur, Voyage dans les lies 
Baleares (Paris 1807) 102. ,,2Ran bat micb rerficbert", fügt ©raffet 

*) eine ber 3>itijufifcbcn Snfdiij 2lrta anb3lnbraix, ätuei i^cn 

33alma entfernt gelegene ^Dörfer. 

I. 


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®ie Snquifttion tfiat noc^ me^r um t>a^ 5lubenfen feer ^ 
unfe Seflraften ju oeremigen! ©ie lie^ 1755 ^ 


Verbrannten 

eine SRetation feruden, mcIc^e feie 9^amen, Vornamen, feen 
©tanfe unfe anfeere 'Angaben aller feerienigen enthielt, meiere 7 
non 1645 bi^ 1691 auf feer 3nfel maren oerurt^eilt morfeen. 

2Rit ©cf}aufeern la^ id) feiefe ©d)rift ! ruft ©raffet fee ©. ©au^ ’ * ^ 
oeur au^; feie Vteijten feer fearin oerjeid;neten V<^tft>tien, ^^nfe 
i^re 3'^^l beläuft fic^ auf mehrere ^unfeerte, litten unfe 
ben für fea^ Sufeent^um. 

®iefer fcbrecfli^e ©atalog enfeete mit folgenfeem nid)t me^jj 
niger fc^rcdli(^)en Vef^luffe feer 3nquifttion: 

,,^üe in feiefem Verjeid^niffe enthaltenen Verbre^er 
feurch fea^ Dffij al^ Äe^er öffentli(^ Oerurtbeilt mor^ 

feen. 9Jtan conpeirte i^r Vermögen unfe übermie^ feem^^/y. 
föniglichen gi^cu^. ©ie murfeen für unfähig unfe untaugli(^)-^X / 


erflärt, ffiürfeen, geiftliche unfe meltliche Senefijien, ofeer anfeere ^ 




öffentliche befleifeen. Vöefeer ihre Angehörigen, 

nod) ihre gamilien ftnfe bere^tigt, ©olfe, ©Uber, ©feelfteine, 
ÄoraUen, ©eifee, ffamelott, feinen ©ammet anjulegen, 

Vferfeen ju reiten, VBaffen ju tragen, überhaupt oon air fecn^^^ 
©efe^en, Vrioilegien unfe Freiheiten ©ebraud) ju ma^en,w ^^ 

' C A ^ 

O 


mel^e allen übrigen Vemohnern feer Snfel eingeräumt jtnfe/' ' 

3Ran gönnte ihnen felbft nod^ oor hunfeert Saferen fauntfeii 
feie*2uft, feie fie einatfemeten. Sro^ aller Veferüdungen unfe; 
aller gegen fte geübten ©raufamfeiten i)ahm fie ftefe feennoi$;^Q, 
erhalten, lieber 300 Familien maren no^ 1782 feer öffent^*^^ 



U^en Veraltung $reU gegeben, ofene feap ein anfeerer 
fte hätte treffen fönnen, al^ ifer Urfprung* Vergebend hatten 
^ 


fein^u, Dor tvenigen 3aferen (il y a peu d’annees) feie 

men feiefer ltnglücflicfeen rergebenö, fogar jiemli^ feefeentenfee ©ummen ^ . A 
geboten feaben, um ju erlangen, fea§ man feiefe betrübenfeen ©rinner*^^^|j. 
nngen oerniebte." 1 Vv^ 

58) 2)er fpanifefee Xejt feiefeö Vefcfeluffeö bei Grasset de S. 
veur, 1. e. 103, 104, Note.